Eine wichtige Begegnung

Als Junge mit 9 Jahren wird man so richtig fromm, ganz innen drinnen und niemand darf das merken. In jeder freien Minute, draußen, wird mit Freunden Fußball gespielt und zwar an jedem erdenklichen Ort, der dies einigermaßen zulässt. Und wenn die Kirschen reif sind, klettert man auf Bäume und lässt sich nicht erwischen.

Der Dorfpfarrer, mein Religionslehrer, hatte in jenen Tagen Besuch von seinem Kollegen, einem Pater vom Orden der Weißen Väter aus Burundi in Ostafrika. Dieser vertrat ihn einmal im Unterricht, in der in Burundi üblichen Kleidung, er trug eine weiße Galabiya und auf dem Kopf einen roten, hochgeschlossenen Fez aus Seide.

Er erzählte uns von seinem Alltag in Ostafrika. Vormittags gehe er in die Schule und bringe seinen Schülern Lesen, Schreiben, Rechnen und Geographie bei und nachmittags kämen die Farmer zu ihm und lernten bei ihm Traktor fahren und wie man mit dem Mähdrescher und der Sämaschine umgeht. Sonntags lese er die Hl. Messe und am Spätnachmittag ginge er in den Busch, um Tiere zu beobachten.

Bernd Bogusch

Jetzt gerade sei er aus Burundi zurück und wohne für ein paar Wochen im Ordensinternat der Weißen Väter in Haigerloch. Dort würde man zur Schule gehen können und neben Englisch und Französisch auch Kisuaheli, die Sprache der Bantu-Stämme, erlernen können.

Wir waren vollkommen hypnotisiert: Burundi und Traktor fahren! Drei von uns Jungen wollten dahin. Es sei vorweg gegriffen: einer der drei wurde später Gastwirt, der zweite Jesuitenpater und der dritte Pfarrer in der Christengemeinschaft.

Als mein Vater von meinem Berufswunsch hörte, war er nicht begeistert. Ich durfte nicht nach Haigerloch. Das war wirklich schlimm und machte mich wütend und sehr traurig.

Auf Wegen der Wissenschaft

Massenspektrometer-©-Wikipedia

Nach der Schule und einer 2-jährigen Lehre in einer Arzneimittelfabrik absolvierte ich ein Fachschulstudium in Chemie mit Staatsexamen – Abschluss als staatlich geprüfter Chemotechniker.

Es folgte ein erstes Berufsjahr als Technischer Assistent an der TH in Stuttgart mit Tätigkeit in der Vorlesungsvorbereitung, Praktikantenbetreuung und Mithilfe bei organisch präparativen Arbeiten.

Das 2. Berufsjahr verbrachte ich in Hamburg am Chemischen Staatsinstitut der Universität in der Massenspektrometrischen Abteilung als deren technischer Leiter. Dort war ich u.a. mit Altersbestimmungen von Hölzern aus altägyptischen Pyramiden mit der C14 – Methode und mit Untersuchungen von Eiweißarten befasst.

Massenspektrogramm © Wikipedia

Die Entscheidung

Eines Tages ging es darum, in einem Literaturstreit zwischen den Universitäten Ann Arbor (USA) und Stockholm (Schweden) zu vermitteln. Von beiden Universitäten lagen Arbeiten und Eiweißproben aus dem Blut von Rindern vor, die nach damaligem Wissensstand chemisch ident sein sollten, was sie definitiv nicht waren.

Die Frage war: welche Arbeit war fehlerhaft und welche fehlerfrei?

Unsere Untersuchungen ergaben wider Erwarten, dass beide Proben fehlerfrei und in der Nachmessung richtig waren, wenn gleich die eine Probe sich von der anderen in ihrem Molekulargewicht deutlich unterschied. Es hatten beide Doktoranden mit ihren Arbeiten richtige Ergebnisse vorgelegt! Sollte sich die unterschiedliche Art von Domestizierung von Rindern in Amerika und in Schweden im Bluteiweiß dieser Tiere nachweisen lassen?
Diese Frage und manch andere mussten damals offen bleiben.

An dieser Tatsache entstand für mich die Frage: wie stark vermag der Mensch in die Lebenskräfte von Tieren einwirken, sodass diese ihre Stofflichkeit verändern. Was ist Materie? Was ist Stofflichkeit? Was ist Substanz?

Ich kam in Berührung mit der Anthroposophie Rudolf Steiners und daraus erwuchs der Entschluss zum Theologiestudium am Priesterseminar der Christengemeinschaft in Stuttgart.

Im Herbst 1964 empfing ich die Priesterweihe und begann mit der Arbeit als Gemeindepfarrer in Nürnberg. In den Folgejahren war ich in den Gemeinden Krefeld, Dortmund, Münster und Herdecke tätig.

Schüsselerfahrung

Tassilokelch-Torhausmuseum-Fraueninsel-©-Bogusch

Exakt 33 Jahre nach meiner ersten Begegnung mit den Weißen Vätern kam es zu einer zweiten, diesmal in Münster.

Ich hatte mit meiner Neuentsendung von Krefeld nach Dortmund auch die Filialgemeinde in Münster zu versorgen. Im Wirbel des Gemeindewechsels vergaß ich, den Dortmunder Gemeindekelch mit nach Münster zu nehmen, wo es noch keinen eigenen gab. Der Tiefpunkt meines gesamten Berufslebens war eingetreten! Kelch vergessen – die Gemeinde wartet auf den Beginn des Gottesdienste! Weder im benachbarten Nonnenkloster noch im nahen Paulusdom wollte man mir für eine Stunde einen Kelch ausleihen.

In meiner Verzweiflung ging ich auf das vor mir gelegene Gebäude hinter einer Mauer zu, auf der mit bronze egossenen Buchstaben stand: “Der Bischof von Münster“. Kurz bevor ich das Portal erreichte, kam mir ein Mann entgegen. Er trug zivile Kleidung und sprach mich an: „Kann ich Ihnen helfen?“ Ich antwortete ihm: „Ich weiß es nicht. Ich habe vergessen, den Kelch aus meiner Hauptgemeinde mitzunehmen, meine Gemeinde hier wartet“. „Kommen Sie mit“, sagte er. Nach wenigen Minuten standen wir in der Sakristei der Hauskapelle im Ordenshaus der Weißen Väter zu Münster. „Ich übergebe Ihnen den ersten Missionskelch der Weißen Väter in Burundi…“ Als ich ihm meinen Personalausweis überlassen wollte, winkte er ab. „Sie kommen wieder“.
Nach einer Stunde war ich wieder da – und konnte diese Begegnung immer noch nicht fassen!

Seit meiner Emeritierung 2005 bin ich in der Priesterfortbildung der Christengemeinschaft und mit Vorträgen im In-und Ausland beschäftigt.

Mikroskopie und Fotografie

Substanzkundliche Themen haben nach wie vor mein vertieftes Interesse. Ich mikroskopiere und fotografiere gern.

Über dreitausend Aufnahmen, die ich für die Lithothek der Münchener Micromounter angefertigt habe, sind im Mineralienatlas veröffentlicht.

Fotomakroskopaufnahme Brookit

Veröffentlichungen

Buchcover Ich sah den Himmel aufgetan

Apokalyptische Geologie

Das Mineralreich besteht, äußerlich gesehen, mit den Ausnahmen Wasser, Luft, Quecksilber etc. aus festen Körpern. Die chemischen Elemente und ihre Verbindungen sind die Stoffe, seine Kristalle die Formen dieses Reiches. Auf der Erde kennen wir annähernd 4500 sicher identifizierte Mineralarten. Die allermeisten bilden Kristalle.

Einige wenige Dutzend unter ihnen werden wegen ihrer Seltenheit, ihrer besonderen Ausbildung wie Farbe, Glanz und Härte ”Edelsteine” genannt. Saphir, Smaragd, Hyazinth gehören zu den Edelsteinen. 12 Steine diese Typs werden im letzten Buch der Bibel, der Apokalypse an Johannes, aufgeführt und von mir in einem Buchbeitrag im naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Kontext beschrieben. 
2006 ©Bernd Bogusch

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Wasser – Mittler des Lebens

Beitrag in der Zeitschriftenreihe Medizin individuell, 2006

Wasser setzt als solcher bereits eine ganze Reihe von physikalischen und chemischen Naturgesetzen außer Kraft. Seine größte Dichte zum Beispiel, liegt bei +4°C. Damit schwimmt Eis in Seen und Flüssen immer oben über den Fischen. Die erste von einigen Anomalien, welche Leben möglich machen, die in diesem Beitrag der Zeitschriftenreihe beschrieben werden.

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